Atomic Demolition Munitions – Wunderwaffen im taktischen Nuklearkrieg?

 

Der Einsatz von Waffen im Krieg ist stets ein Optimierungsproblem. Es gilt, den Feind zu bekämpfen, ohne unvermeidliche Kollateralschäden hervorzurufen. Während des Kalten Kriegs sah sich die NATO gezwungen, bei einem eventuellen Angriff des Warschauer Paktes auf Deutschland taktische Nuklearwaffen einzusetzen. So sollten heranrückende Panzerverbände aufgehalten werden. Aufgrund der enormen Zerstörungskraft solcher Waffen wäre natürlich das Problem der Optimierung erheblich schwieriger zu lösen gewesen als beim Einsatz konventioneller Waffen. Die so genannten Atomic Demolition Munitions sollten bei der Problemlösung eine herausragende Rolle spielen.

Einleitung

Die Energiemenge, die bei der Explosion einer Kernwaffe freigesetzt wird, bezeichnet man in der militärischen Fachsprache als „yield“ (Ausbeute). Die Maßeinheit ist das TNT-Äquivalent. Eine Atombombe von einer Kilotonne besitzt also eine „yield“ von 1000 Tonnen TNT. Die auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfenen Atombomben entsprachen 15-16 (Little Boy) bzw 21 Kilotonnen (Fat Man) TNT. Die größte jemals gezündete Nuklearwaffe, die sowjetische Zar-Bombe, hatte eine rund 4000mal größere Sprengkraft als die Bomben, die in Japan Hunderttausenden das Leben kosteten.

Es wurden allerdings auch weitaus kleinere Bomben entwickelt, deren „yield“ deutlich unterhalb der Zerstörungskraft der Bomben auf Hiroshima und Nagasaki lag. Sie wurden als taktische Kernwaffen oder auch als nukleare Gefechtsfeldwaffen bezeichnet. Zu diesen Gefechtsfeldwaffen gehörte eine Reihe von Kernwaffen, denen der sperrige Name „Atomic Demolition Munitions“ verpasst wurde – atomare Abrissmunition. Wie der Name schon sagt, besteht ihr offizieller Hauptverwendungszweck in der Zerstörung von Bauwerken, z. B. Brücken, Tunnel, Dämme oder Straßen, um den feindlichen Vormarsch zu hemmen. Dies schließt allerdings nicht aus, dass man mit ihnen auch Menschenansammlungen vernichten kann, die sich nicht in, auf oder an diesen Bauwerken befinden.

Neben der geringen Sprengkraft besteht ein weiteres wesentliches Merkmal der Atomic Demolition Munitions darin, dass sie verhältnismäßig leicht sind. Einige davon könnten durchaus von erwachsenen Männern oder handfesten Frauen im Rucksack getragen werden. Deshalb sind sie natürlich besonders gut für den Kampf an der Front geeignet, die ja sehr beweglich sein kann. Man muss keine ausgeprägte militärische Phantasie zu besitzen, um zu erkennen: Diese Munition war nicht nur zum Abriss von Brücken interessant. Man stelle sich nur vor, ein heutiger Suizid-Bomber hätte eine solche Waffe in seinem Rucksack.

Die ADM kommen nach Europa

Die USA entwickelten und testeten taktische Nuklearwaffen im Allgemeinen und die Atomic Demolition Munitions (ADM) im Besonderen seit Beginn der Fünfziger Jahres des vorigen Jahrhunderts. Nach dem bisher letzten Test einer ADM in der Wüste von Nevada1)Operation Teapot, 1955 – Nevada Proving Ground richteten die Supreme Headquarters Allied Powers Europe (Paris) am 6. September 1955 ein vertrauliches Schreiben an die europäischen Regional-Kommandeure der alliierten Streitkräfte zum Thema der „vorpositionierten Waffen“.2)NATO Confidential, Supreme Headquarters Allied Powers Europe, Paris (France), AG 1450 OT, 6 September 1955, Release of Information on Prepositioned Weapons. Unter diesen präpositionierten Waffen waren Nuklearwaffen zu verstehen, genauer: Atomic Demolitions Munitions.

In dem Schreiben heißt es: Präpositionierte Waffen können eingesetzt werden, um

  • Hindernisse zu errichten
  • Material oder Einrichtungen davor zu bewahren, in die Hände des Feindes zu fallen
  • Tote und Verletzte zu produzieren
  • Hindernisse zu beseitigen
  • Befestigungen zu zerstören.

Als Vorzüge der Atomic Demolition Munitions werden benannt:

  • Die Waffen können genau dort platziert werden, wo man sie benötigt. Es ist also nicht mit Fehlschüssen zu rechnen, wie sie für Bombenabwürfe oder Raketenbeschuss charakteristisch sind.
  • Der Zeitpunkt der Detonation kann kontrolliert werden, um maximale Ergebnisse zu erzielen.
  • Die Waffen können mit normalen Lastwagen befördert werden und das Transportpersonal bedarf keiner besonderen Schulung.
  • Die ADM kann auch in der Dunkelheit oder bei schlechtem Wetter eingesetzt werden.

Dem stehen allerdings auch Nachteile gegenüber:

  • Die Waffen können nur auf der Erdoberfläche oder unterirdisch (z. B. in Schächten) eingesetzt werden. Wenn Luftschläge erforderlich sind, muss auf andere Waffen zurückgegriffen werden.
  • Die Gefahr, dass der Feind die ADM erobert oder unschädlich macht, ist größer als bei anderen Waffen.

Bei der Entscheidung zur Wahl der ADM müsse insbesondere der Faktor Zeit berücksichtigt werden, der ja im Allgemeinen ein kritischer Aspekt bei militärischen Aktionen sei. Dieser Gesichtspunkt gäbe eindeutig den Ausschlag für die ADM im Vergleich zu konventionellen Waffen. Man bedenke, so heißt es, wie viel Tonnen TNT man herbeischaffen und verlegen müsste, um die Sprengkraft auch nur einer ADM von vergleichsweise geringem Eigengewicht zu erreichen. Auf dem Schlachtfeld seien selten mehr als drei Stunden erforderlich, um eine ADM für die Zündung vorzubereiten

In dem Papier werden die Vorzüge der ADM in einer Ausführlichkeit besungen, die hier nicht weiter wiedergegeben werden soll. Es wird allerdings auch eingeräumt, dass sich der Einsatz dieser komfortablen Waffen in einigen Lagen verbietet. Zu derartigen Situationen zählen z. B.

  • Verbündete Truppen können aus dem Einsatzgebiet nicht abgezogen werden.
  • Die Lage ist so beweglich, dass der Feind die ADM in Besitz nehmen könnte, bevor sie gezündet wurde.
  • Das Zielgebiet wird vermutlich zurückerobert, so dass keine massive Zerstörung sinnvoll ist.
  • Die Moral und Loyalität der Zivilbevölkerung würde zu sehr unter dem absichtlichen Einsatz von Atomwaffen auf ihrem Territorium leiden.

Wann genau, wo und in welchem Umfang diese Art von Atomwaffen nach Europa kam, konnte ich bisher noch nicht in Erfahrung bringen. Es dürfte aber kein Zweifel daran bestehen, dass sie spätestens Ende der fünfziger Jahre in Deutschland in erheblicher Zahl vorhanden und einsatzbereit waren.3)Pommerin, R. (1991). General Trettner und die Atom-Minen. Zur Geschichte nuklearer Waffen in Deutschland. Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 18, Seite 640 / Maiorano, A. G. (1983). The Evolution of United States and NATO Tactical Nuclear Doctrine and Limited Nuclear War Options, 1949-1984. Master Thesis. Naval Postgraduate School, Monterey, Ca., 1983, Seite 37 Ihre eigentliche militärische Bedeutung, im Rahmen des NATO-Konzepts zur Verteidigung gegen einen sowjetischen Angriff, erlangten sie vermutlich aber erst mit Beginn der sechziger Jahre.

Nunmehr, unter ihrem neuen Präsidenten John F. Kennedy, bekannten sich die Amerikaner zur ihrer neuen Militärstrategie „Flexible Response“. Es sollte fortan nicht mehr auch die allerkleinste Attacke des Warschauer Paktes gegen NATO-Land massiv nuklear vergolten werden, und zwar mit Atomschlägen gegen das sowjetische Kernland. Vielmehr sollte die Reaktion abgestuft erfolgen, zunächst konventionell, dann mit taktischen Nuklearwaffen geringer Sprengkraft an der jeweiligen Front. Hätte all dies nichts gefruchtet, so wären strategische Nuklearwaffen zum Einsatz gekommen: totaler Krieg. Für eine frühe Phase eines solchen Schlagabtausches waren die Atomic Demolition Munitions wie maßgeschneidert geeignet.

Zu Beginn der sechziger Jahre war man in westlichen Militärkreisen weitgehend davon überzeugt, dass die Sowjetunion ihre vorherige Unterlegenheit gegenüber dem Westen im nuklearen Bereich weitgehend überwunden hatte. Im konventionellen Bereich galt sie aber als haushoch überlegen. Die NATO war daher entschlossen, eventuell heranrollende Panzerverbände des Warschauer Pakts an der deutsch-deutschen Grenze mit taktischen Nuklearwaffen zurückzuschlagen – und zwar genau dann, wenn man sonst, bei einer Verteidigung mit ausschließlich konventionellen Mitteln, überrannt worden wäre. Realisten hielten es für wahrscheinlich, dass eventuell schon nach wenigen Stunden die ersten atomaren Sprengköpfe losgegangen wären. Und dabei hätte es sich vermutlich um Atomic Demolition Munitions gehandelt.

Denn diese Waffen besaßen eindeutig, sofern man sie effizient einsetzte, das beste Verhältnis zwischen Fremd- und Kollateralschäden. Letztere galt es nicht nur zu vermeiden, weil die eigene Bevölkerung bei einem Übermaß an Kollateralschäden der eigenen Führung und dem eigenen Militär in heilloser Panik die Gefolgschaft versagt hätte. Es galt zudem, den Feind zu beeindrucken.

Die nukleare Antwort sollte ihn ja abschrecken, die Eskalation des Schlagabtausches weiterzutreiben. Hätte die westliche Gegenwehr der eigenen Bevölkerung massive Schäden zugefügt, dem Feind aber nur deutlich geringere, dann hätten die Sowjets daraus vermutlich geschlossen, dass der Westen diese Art der Kriegsführung nicht lange würde aufrecht erhalten können. Dies hätte ihn ermutigt, auf seinem Weg Richtung Rhein weiter voranzuschreiten und selbst taktische Nuklearwaffen einzusetzen. Die westlichen Nuklearwaffen mussten den Feind also punktgenau am rechten Ort und zur rechten Zeit erwischen. Dann konnte man die „yield“ und damit auch die Auswirkung von Druck, Hitze und Strahlung auf das eigene Land gering halten. Je genauer die NATO getroffen hätte, desto größer wäre auch das Entsetzen, der psychologische Effekt bei den heranrückenden Truppen des Warschauer Paktes und ihrer Führung gewesen.

Die NATO-Strategie setzte implizit voraus, dass die Sowjets mit einem eventuellen Angriff auf das westliche Europa testen wollten, welche Risiken die Amerikaner eingehen würden, um Europa zu verteidigen. Der Westen vermutete, dass die Strategie der „Massive Retaliation“, also des sofortigen totalen Nuklearkriegs ihre Glaubwürdigkeit verloren hatte. Deswegen rechnete man damit, dass die Sowjets u. U. herausfinden wollten, wie weit sie gehen konnten. Es galt also, überragende Stärke zu zeigen, den Kommunisten aber gleichzeitig die Möglichkeit zu bieten, sich ohne allzu großen Gesichtsverlust wieder zurückzuziehen. Sie sollten wissen, dass man angemessen, also der Stärke des Angriffs entsprechend reagieren, damit aber nicht lange fackeln würde.

Kriegsführung mit Atomic Demolition Munitions

In einem in der Endphase des Kalten Kriegs erschienenden Field Manual der US-Armee (Countermobility) heißt es:

Besondere Eigenschaften lassen die ADM auf dem Schlachtfeld als höchst wünschenswert erscheinen.4)FM 5-102: COUNTERMOBILITY. Headquarters, Department of the Army, Washington, DC, 14 March 1985, Seite 136

Die ist eine auf den ersten Blick – wenn man die ADM mit den „großen“ nuklearen Waffensystemen vergleicht – verblüffende Aussage. Sie wird erst beim genaueren Hinschauen auf diese „besonderen Eigenschaften“ verständlich. Im Manual heißt es:

Man bedenke zum Beispiel die Zerstörung von Autobahnbrücken. Eine SADM5)Spezial Atomic Demolition Munitions, eine leichte Variante der ADM mit Sprengkraft unter einer Kilotonne in der Mitte der Autobahn würde das erwünschte Hindernis erzeugen. Man bedenke die Zielungenauigkeit (delivery error, HUG) der Systeme, die von Artillerie, Flugzeugen und Flugkörpern geliefert werden sowie die Unmöglichkeit, sie damit auf oder unterhalb der Oberfläche zu detonieren. Es wären „yields“ im 50-Kilotonnen-Bereich erforderlich, um die Produktion des gewünschten Hindernisses mit jedem anderen nuklearen System zu gewährleisten. Die Vorteile, die aus der Verwendung von ADM mit geringerer Sprengkraft resultieren, sind in taktischen Situationen signifikant.6)FM 5-102, Seite 136

Um dies noch einmal zu betonen: Es geht um das mindestens Fünfzigfache. [su_highlight]Eine effektive ADM kann Kollateralschäden um das Fünfzigfache vermindern.[/su_highlight]

In vielen Fällen hätten taktische Ziele ohne Nuklearmunition gar nicht erreicht werden können. Erstens wäre es überaus schwierig gewesen, die erforderlichen gewaltigen Mengen von konventionellem Sprengstoff an den richtigen Stellen zu konzentrieren und dies hätte zudem i. d. R. auch zu viel Zeit gekostet.7)Field Manual 5-106: Employment of Atomic Demolition Munition. Headquarters, Department of the Army, Washington, DC, 14 March 1984, Seite 1-3

Es gab allerdings ein gravierendes moralisches und politisches Problem; das Manual konstatiert:

Ziele in oder nahe besiedelten Gebieten der Verbündeten sollten normalerweise nicht mit Atomwaffen angegriffen werden. Jedoch müssen die Vorteile der Zerstörung eines Ziels, besonders eines harten Ziels, gegen die möglichen Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung gewichtet werden.8)FM 5-102, Seite 146

Unter solchen Bedingungen ist Effizienz natürlich das absolute Gebot. Das Ziel muss mit dem kleinstmöglichen Einsatz nuklearer Energie punktgenau und zuverlässig zerstört werden.

Obwohl es selbstredend auch andere Formen der Zündung gibt, beschreiben die einschlägigen Manuale den Zeitzünder als Mittel der Wahl. Es wurden mechanische Systeme eingebaut, vermutlich, weil elektische bzw. Funkzünder zu empfindlich gegenüber dem elektromagnetischen Puls gewesen wären.

In einem Field Manual zum taktischen Nuklearkrieg heißt es hierzu:

Planer müssen bedenken, dass die Anwendung nuklearer Waffen, sowohl der freundlichen als auch der feindlichen, Wirkungen verursachen, die Luftverteidigung und kommunikative Operationen begrenzen können. Diese Effekte sind der elektromagnetische Puls (EMP) und Radar/Komminikations-Interferenzen. Die Schwere der Effekte variiert zwischen vernachlässigbar und totalem Blackout.9)Field Manual 100-30 (TEST): Tactical Nuclear Operations, Headquarters, Department of the Army, Washington DC, 1971, Seite 2.5

Die mechanischen Zeitzünder waren ziemlich ungenau. Im Field Manual von 1984 wird ein Fehler zwischen +/- 2 Minuten pro Stunde zwischen Start des Timers und der geplanten Detonation angegeben.10)Field Manual 5-106 Im Field Manual von 1971 waren es noch +/- fünf Minuten.11) FM 5-26 – Employment of Atomic Demolition Munitions. Headquarters Department of the Army, Washington D.C., 1971, Kapitel 2, Seite 5

Hier liegt ein erhebliches Problem, das in den einschlägigen Field Manuals allenfalls zart gestreift wird (jedenfalls in den öffentlich zugänglichen). Ein Beispiel soll dies erläutern. Es muss eine Brücke in der Nähe einer Kleinstadt gesprengt werden. Der Feind bewegt sich auf diese Brücke zu. Das Fire-Team soll eine ADM in einer Sprengkammer in einem Brückenpfeiler aktivieren. Um sich nachher in Sicherheit zu bringen, benötigt es mit viel Glück eine Viertelstunde, „gefühlt“ vermutlich deutlich länger. Die ADM geht vielleicht ein paar Minuten früher oder später los. Man stellt also die Zeit auf zwanzig Minuten ein und sucht das Weite.

Die Kommandeure heranrückender Panzerverbände sind aber im Allgemeinen schlau genug, ihren Kurs hin und wieder zu verändern. Sie wissen ja, dass man ihnen Fallen stellen wird, so wie sie es im umgekehrten Fall auch tun würden. Nehmen wir also an, der Kommandant riecht den Braten und wählt eine Route über eine andere Brücke oder er lässt eine Ponton-Brücke bauen. Die Zeituhr in der ADM tickt dennoch unermüdlich und unerbittlich. Es entsteht ein Kollateralschaden, aber der Feind bleibt unbehelligt.

Erschwerend kommt hinzu, dass hier ein Sprengkörper ineffektiv gezündet worden wäre, der nicht in beliebiger Anzahl zur Verfügung gestanden hätte.

Ein Anflug von Problembewusstsein lässt folgende Passage aus einem einschlägigen Field Manual erkennen:

Die Feuer-Option des Timers wird an das schnell bewegliche Schlachtfeld durch Wahl der minimalen Timer-Einstellung angepasst. Diejenige Einstellung wird genutzt, die dem Feuerteam erlaubt, den Zielort zu verlassen und die sofort danach die Detonation der Munition herbeiführt.12)Field Manual 5-106, Seite 6-6

Wie lange es dauert, um sich in Sicherheit zu bringen, hängt natürlich von vielen Faktoren ab, wie z. B. der Sprengkraft der Bombe, dem Gelände, dem zur Verfügung stehenden Fahrzeug. Neben diesen abschätzbaren Größen sind andere nicht vorherzusehen: z. B. Feindbeschuss mit Zerstörungen auf der Wegstrecke. Dies wäre wahrhaftig ein gefährlicher Job gewesen – und womöglich für die Katz!

Deutsche Positionen

Man darf wohl unterstellen, dass sich die fachkundige militärische Führung in dieser Zeit der psychologischen Problematik des Einsatzes von ADM bewusst war. Dass sich dazu in den Handbüchern für die Truppe nichts Handfestes findet, ist nur zu verständlich.

Trotz dieser Bedenken, die man bei intelligenten Leuten wohl voraussetzen mag, ließ die politische und militärische Führung in Deutschland zu Beginn der sechziger Jahre keinen Zweifel daran, dass sie den Einsatz von ADM an der deutsch-deutschen Grenze für sinnvoll und erforderlich hielt. In seiner Dissertation „Creating Deterrence For Limited War“ beschreibt der Historiker Ingo Trauschweizer13)Trauschweizer, I. W. (2006). Creating Deterrence For Limited War: The U.S. Army And The Defense Of West Germany, 1953-1982, Dissertation eine Zusammenkunft im Pentagon, dem amerikanischen Verteidigungsminsterium, die sich als Meilenstein für den weiteren Verlauf des Kalten Kriegs in Deutschland erweisen sollte. Die folgende Passage habe ich dieser Arbeit entnommen. Sie beruht auf Akten des US-Verteidigungsministeriums.14)Documentation: Memorandum of Conversation, 13 November 1964, Secretary McNamara’s Meeting with FRG MOD von Hassel, 12-13 November, Doctrine and Strategy, pp. 3-5. Papers of Robert S. McNamara, Memcons with Germany Vol. 1 Sec. 1, Box 133, RG 200, NA. Seiten 3-6, 12

Am 13. November 1964 traf sich der amerikanische Verteidigungsminister Robert McNamara mit seinem deutschen Kollegen Kai-Uwe von Hassel. In von Hassels Gefolge befanden sich der Generalinspekteur der Bundeswehr, Heinz Trettner und General Bernd Freitag von Loringhoven.15)Von Loringhoven war ein Zeuge der letzten Tage im Führerbunker. Heinz Trettner bezweifelte, dass die strategische nukleare Abschreckung noch glaubwürdig sei. „Flexible Response”, die gestufte Abschreckung sei nunmehr erforderlich. Diese Einschätzung teilte er mit dem amerikanischen Verteidigungsminister und dessen frischgebackenem Stabschef General Earle G. Wheeler. Reaktionen im Sinne der massiven Vergeltung sollten nur bei einem nuklearen Überraschungsangriff oder einem totalen konventionellen Angriff des Warschauer Paktes erfolgen.

Die deutsche Generalität hatte sich eine Alternative zum weltweiten atomaren Overkill ausgedacht. General von Loringhoven trug das Konzept vor: Im Falle eines Angriffs der Sowjets auf Westdeutschland sollten Heer und Luftwaffe mit konventionellen Mitteln zurückschlagen. Gleichzeitig aber sollten atomare Landminen, die so genannten Atomic Demolition Munitions (ADM), die bereits entlang der deutsch-deutschen Grenze deponiert worden waren, gezündet werden. Sobald NATO-Truppen in Gefahr stünden, zerstört zu werden, sollten zusätzliche taktische Atomwaffen eingesetzt werden. Eine weitere Eskalation könne vermieden werden, wenn die sowjetische Aggression auf dieser Stufe gehalten werden könne. Nach diesem deutschen Konzept sollten die Nuklearwaffen nur auf deutschem Boden und nicht gegen die sowjetischen Kommunikationslinien eingesetzt werden.

Der deutsche Historiker Reiner Pommerin schreibt16)Pommerin, R. (1991). General Trettner und die Atom-Minen. Zur Geschichte nuklearer Waffen in Deutschland. Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 18, General Trettner habe den Einsatz von ADM aus psychologischen Gründen abgelehnt. Wenn dies zutreffen sollte, so wusste er dies, als er noch im Amt war, allerdings gut zu verbergen. Während eines NATO-Treffens am 3. November 1964 sagte er nämlich Folgendes:

Falls notwendig, sollten, so würde ich sagen, die ADM und die Gefechtsfeldwaffen rechtzeitig eingesetzt werden, und zwar als allerletzte Warnung in Phase 1. Aber das ist Phase 1, und ich denke, dass es da keine sehr große Gefahr einer Eskalation gibt.17)NATO  SECRET, 3 November  1964, NORTH ATLANTIC MILITARY COMMITTEE, NOTE FOR THE RECORD, Informal Meeting of the Military Committee in Chiefs of Staff , Session, Held at 11OO hours on Friday , 23 October 1964 at the Ministry of Defence, London, England, Seite 19

Mit Phase 1 meinte Trettner die erste konventionelle Reaktion infolge eines ebenso konventionellen Angriff der Sowjetunion auf westliches Territorium in Europa. Es ist hier kein Problembewusstsein zu erkennen. Die ADM werden vielmehr sehr pragmatisch als letzte Warnung betrachtet.

Es soll allerdings nicht verschwiegen werden, dass sich Trettner, viele Jahre später sehr kritisch zum taktischen Nuklearkrieg äußerte:

„Selbst wenn man so optimistisch ist zu glauben, dass Soldaten so ausgebildet und erzogen werden können, dass sie das Grauen der atomverwüsteten Schlachtfelder unberührt zu durchschreiten und ihre taktischen Aufträge plangemäß auszuführen vermöchten – ich teile diesen Optimismus nicht -, kann doch niemand von der unvorbereiteten und ungeschützten Bevölkerung ähnliches erwarten. Wer einen Atomtest beigewohnt oder Filme von Tierversuchen bei den Atomexplosionen gesehen hat, macht sich da keine Illusionen. Mit einer demoralisierten Bevölkerung und einem zerstörten Land im Rücken kann sich aber auch der beste Soldat in einem modernen Krieg nicht behaupten.“18) Trettner, H. (1977). Zur Problematik der Taktischen Nuklearwaffen in Europa. Militärpolitik 1/1977, S. 70

Die offizielle Bonner Einstellung zu den ADM sollte sich erst ändern, als Helmut Schmidt an die Macht kam. Dem sozialdemokratischen Minister und Bundeskanzler waren diese Gefechtsfeldwaffen zutiefst suspekt. Die häufig verbreitete Behauptung, Schmidt habe diesen „totbringenden Unsinn“, also die Planung eines ADM-Einsatzes, beendet, ist zwar nur eine fromme Mär. Die ADM wurden von dem Amerikanern erst 1985 aus Deutschland abgezogen.19)Hammerich, H: Süddeutschland als Eckpfeiler der Verteidigung Europas. MILITARY POWER REVUE der Schweizer Armee – Nr. 2 /2011, 34-45, Zitat Seite 38 Dennoch hat er den Amerikanern immerhin einige Zugeständnisse (die letztlich aber symbolischer Natur waren) abgerungen.20)Bald, D. (2008). Politik der Verantwortung. Das Beispiel Helmut Schmidt. Der Primat des Politischen über das Militärische 1965-1975. Mit einem Vorwort von Helmut Schmidt. Berlin: Aufbau Verlag / Kritisch zu diesem Buch: Kleinert, P.: Politik der Verantwortung. Neue Rheinische Zeitung

Warum die Amerikaner wenig geneigt waren, dem Drängen Schmidts mehr als nur symbolisch nachzugeben, lässt sich anhand der folgenden Überlegungen nachvollziehen. Die damals vorherrschende Sichtweise des amerikanischen Militärs wird kurz und prägnant von Charles N. Davidson in einem Beitrag für die Zeitschrift Parameters des US Army War College vorgetragen.21)Davidson, D. C. N. (1974). Tactical Nuclear Defense – The West German View. Parameters, Vol. IV(No. 1), 47–57

Ausgangspunkt der Überlegungen Davidsons war die damals im Westen weitgehend unbestrittene These, dass der Warschauer Pakt der NATO in allen Bereichen konventioneller Waffen haushoch überlegen war. Die NATO wäre einer Auseinandersetzung mit dem östlichen Bündnis auf dieser Ebene nicht gewachsen gewesen. Man hätte sich eine krachende Niederlage eingehandelt. Die Folgen konnte man nicht riskieren. Die Sowjetunion hätte sich nach aller Wahrscheinlichkeit in Europa festgesetzt, dort ihre gegen die USA gerichteten nuklearen Langstreckenwaffen positioniert und die europäische Bevölkerung als Schutzschirm eingesetzt. So hätte sie die Machtverhältnisse auf dem gesamten Planeten zu Ungunsten der Amerikaner verschoben.

Deswegen bestand die einzige Chance des Westens darin, im Falle eines Falles zu taktischen Nuklearwaffen zu greifen. Diese Gewissheit, so Davidson, sei auch in Deutschland vorhanden. Dennoch würde manches anders gesehen als in Amerika, und dies wohl auch, weil Deutschland als der primäre Schauplatz eines möglichen Krieges zwischen Ost und West aufgrund seiner geographischen Lage zwangsläufig vorherbestimmt sei.22)Deutsche Politiker fürchteten in dieser Zeit, dass Westdeutschland von den Russen als Geisel genommen würde, wenn man ihre Truppen nicht rechtzeitig aufhalten könnte. Die Berechtigung dieser Befürchtung ist natürlich auch aus heutiger Sicht nicht von der Hand zu weisen.

Bedenken gegenüber dem Einsatz taktischer Nuklearwaffen bestünden auch bei anderen westeuropäischen Staaten. In Westdeutschland träten diese kritischen Überlegungen jedoch besonders ausgeprägt hervor. Hier seien insbesondere vier Themen relevant:

  • Wer trifft die Entscheidung zum Einsatz dieser Waffen?
  • Wie eng ist der Einsatz strategischer Nuklear-Flugkörper durch die Vereinigten Staaten mit Feindseligkeiten zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt in Europa gekoppelt?
  • Wie groß sind die Chancen, dass der begrenzte Einsatz von Atomwaffen in Europa zu einer gesamteuropäischen nuklearen Eskalation führt?
  • Können bei der Verteidigung Westeuropas mit taktischen Nuklearwaffen inakzeptable Kollateralschäden im eigenen Lande verursacht werden?

Die letzte Frage sei die allen anderen Themen zugrunde liegende Überlegung. Davidson setzt sich im Folgenden mit Akzentuierungen auseinander, die deutsche und amerikanische Positionen bei der Beantwortung obiger Fragen unterscheiden. Diese nachzulesen kann ich durchaus empfehlen.

In Kontext meines hier vorliegenden Artikels ist allerdings nur das Thema der Atomic Demoliton Munitions interessant. Die ursprüngliche, wenn auch nicht uneingeschränkte Akzeptanz dieser Waffen wich bekanntlich, in der Zeit, als Helmut Schmidt politische Ämter in der Regierung übernahm und schließlich Bundeskanzler wurde, einer skeptischen, bis ablehnenden Einstellung.

Die Gründe dafür seien, so Davidson, allerdings nicht nur in der Person Schmidts zu suchen. Die zunehmenden Bedenken an den ADM hätten sich in Folge des Übergangs von der „Massive Retaliation“ zur „Flexible Response“ eingestellt. Diese von den USA bereits zu Beginn der sechziger Jahre vollzogene Wende ließ sich in der NATO erst 1967, und nur mit großer Mühe, durchsetzen.

Nun wurden insbesondere in Deutschland Befürchtungen laut, dass diese Waffen nicht mehr Bestandteil einer generellen Abschreckung, sondern selbständige Elemente einer nur auf Europa und insbesondere auf Deutschland begrenzten nuklearen Kriegsführung sein könnten. Krass formuliert: Die Vision einer nuklearen Auseinandersetzung zwischen der USA und Russland allein auf deutschem Boden stand im Raum. Wenn man die Natur des Menschen bedenkt, so war dieses Schreckensbild wohl auch nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Ein zentraler Einwand der Deutschen gegenüber den ADM bestünde darin, dass mit diesen Waffen sehr viel Fallout produziert würde, da sie auf dem Erdboden oder unterirdisch explodieren sollten. Demgegenüber betont Davidson, dass die neuere amerikanischen Doktrin besage, ADM mit sehr geringer „yield“ verhältnismäßig tief einzugraben, so dass der Fallout minimiert werden könne und ihre Feindwirkung vor allem in der Strahlung bestünde. Helmut Schmidts Befürchtung, dass der Einsatz solcher Waffen unausweichlich eine Auslöschung Westeuropas zur Folge habe müsste, auch ohne strategische Eskalation, könne demgemäß entkräftet werden.

Ein weiterer Einwand bezog sich auf die Antwort der Sowjets. Man befürchtete, dass der Feind bei Nuklearwaffen mit geringer „yield“ technisch noch nicht so weit wie die USA fortgeschritten sei. Auch wenn die ADM der Amerikaner „clean“ seien, so könnte die Antwort der Russen doch „dirty“ ausfallen. Dies veranlasste Helmut Schmidt zu der Aussage, der Einsatz sauberer Nuklearwaffen durch die NATO sei nur von Vorteil, wenn man zuvor dem Feind die einschlägigen Produktionsgeheimnisse verriete.

Schmidt sprach sich entschieden dagegen aus, die ADM in vorbereiteten Sprengschächten zu deponieren. Diese Haltung, so Davidson, sei jedoch kontraproduktiv, da die rechtzeitige Platzierung am Einsatzort den befürchteten Fallout reduziere.

Schmidt konnte den Amerikanern zwar abringen, offiziell auf eine Präpositionierung von ADM in Deutschland zu verzichten. Fakt ist aber, dass eine durchgängige Kette von Sprengkammern und Sprengschächten für konventionelle Sprengstoffe entlang der deutsch-deutschen Grenze existierte23)Umfassendes Fotomaterial findet sich hier. und dass man in diese leicht auch ADM hätte einbringen können. Symbolpolitik, also.

Wie bereits erwähnt, haben die Amerikaner die ADM erst 1985 abgezogen. Und im Rahmen der Nuklearen Teilhabe wäre auch die Bundeswehr an ihrem Einsatz beteiligt gewesen.24)Siehe den Wikipedia-Artikel über die Nukleare Teilhabe. Zu den Bundeswehrpionieren zählten Spezialsperrzüge, die für diesen Bereich zuständig waren. Die Spezialsperrzüge hatten u. a. die Aufgabe, die ADM von den amerikanischen Depots abzuholen und zu den Sperrpunkten zu transportieren. Der Einsatz von ADM wurde regelmäßig geübt. Ein ehemaliger Wehrpflichtiger, der zu einem solchen Zug gehörte, berichtete mir, wie das ablief. Hinter den deutschen Fahrern saßen amerikanische Soldaten mit gezückter Knarre.

Überdies wage ich die Prophezeiung, dass die ADM im Kriegsfall häufig überirdisch gezündet worden wären, weil das bewegliche Schlachtfeld, die Mobilität der feindlichen Verbände, gar keine andere Wahl gelassen hätte. Ansonsten hätte man jede Menge Kollateralschäden verursacht, ohne den Feind entscheidend am Vormarsch hindern zu können.

Das generelle Problem mit Wehrpolitikern bestand schon immer darin, dass sie nicht genauer hinschauen, entweder um sich selbst oder ihren Wählern übermäßiges Nachdenken zu ersparen.

Fazit

Wenn es unausweichlich ist, Atomwaffen im eigenen, dicht besiedelten Land einzusetzen, dann bleibt keine Wahl: Diese Waffen dürfen nur dann explodieren, wenn sie ihr Ziel auf jeden Fall vernichten, und zwar mit der kleinstmöglichen Sprengkraft. Nur so können die unumgänglichen Kollateralschäden so gering wie möglich gehalten werden.

Theoretisch können die Atomic Demolition Munitions ihre Ziele mit den – im Vergleich zu anderen Nuklearsystemen – geringsten Kollateralschäden vernichten. Sie können genau am Ziel platziert werden. Die Wahrscheinlichkeit von Fehlschüssen – wie bei Kanonen, Raketen oder Flugzeugen zu befürchten – ist hier gleich null.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Es kommt nicht nur auf das Ausmaß der Kollateralschäden an sich, sondern vor allem auf das Verhältnis von Kollateralschäden und Feindschäden an. Wie bereits erwähnt, verursacht man z. B. bei der Sprengung einer Brücke mit ADM weniger Kollateralschäden als mit allen anderen nuklearen Systemen. Doch wenn der Feind die Brücke gar nicht benutzt, so handelt es sich trotz der geringeren Kollateralschäden um eine sinnlose Zerstörung, unter der dann nur die eigene Bevölkerung leidet.

Heute könnte man vermutlich ADM konstruieren, die nur dann durch Sensoren ausgelöst werden, wenn sie den Feind in unmittelbarer Nähe registrieren. In den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts existierten solche Techniken aber noch nicht. Damals wie heute gab es allerdings die Möglichkeit, solche Probleme auch ohne ausgefeilte Technik zu bewältigen, nämlich durch Suizidbomber.

Wären in Deutschland in der erforderlichen Zahl Patrioten bereit gewesen, sich freiwillig im eigenen Land mit einer Atombombe in die Luft zu sprengen? Sie hätten ja nicht nur ihr eigenes Leben opfern, sondern auch den Tod von Landsleuten und die nukleare Verwüstung ihres Landes in Kauf nehmen müssen. Manch einen hätte vielleicht in letzter Sekunde der Verdacht beschlichen, dass sein Heroismus gar nicht Deutschland, gar nicht dem Vaterland, der Heimat diente, sondern anderen Gewalten.

Aus meiner Sicht hätte man ADM in einem dicht besiedelten Gebiet nicht mit einer halbwegs vertretbaren Aussicht auf ein militärisch sinnvolles Ergebnis einsetzen können, wenn man nicht auf Suizidbomber hätte zählen können. Sofern der freie Westen in dieser Zeit seine militärischen Angelegenheiten nicht kompletten Idioten anvertraut hatte, dann muss man unterstellen, dass sich die Militärs dieses Problems auch bewusst waren. Und ich behaupte erstens, dass es sich bei den Verantwortlichen um sachverständige und geistig hochstehende Menschen handelte und dass sie zweitens auch eine passable Lösung gefunden hatten. Hätten sie diese nicht gefunden, dann wären die ADM schon früher außer Dienst gestellt worden, so wie die Davy Crockett zuvor.25)Siehe meinen Artikel: Davy Crockett – ein guter Freund von Franz-Josef Strauß

Ob sich allerdings allzu viele Freiwillige unter den geschilderten Bedingungen als Suizidbomber zur Verfügung gestellt hätten, wage ich zu bezweifeln. Wie also wollten unsere Militärführer das Problem lösen, die ADM mit der größtmöglichen Effizienz einusetzen?

Welche Art von Lösung den Generälen und Politikern vorschwebte, geht aus den bisher freigegebenen Dokumenten leider nicht hervor. Meine Hypothesen zu dieser Frage habe ich u. a. in folgenden Beiträgen ausgearbeitet:

 

 

Fußnoten   [ + ]

1. Operation Teapot, 1955 – Nevada Proving Ground
2. NATO Confidential, Supreme Headquarters Allied Powers Europe, Paris (France), AG 1450 OT, 6 September 1955, Release of Information on Prepositioned Weapons
3. Pommerin, R. (1991). General Trettner und die Atom-Minen. Zur Geschichte nuklearer Waffen in Deutschland. Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 18, Seite 640 / Maiorano, A. G. (1983). The Evolution of United States and NATO Tactical Nuclear Doctrine and Limited Nuclear War Options, 1949-1984. Master Thesis. Naval Postgraduate School, Monterey, Ca., 1983, Seite 37
4. FM 5-102: COUNTERMOBILITY. Headquarters, Department of the Army, Washington, DC, 14 March 1985, Seite 136
5. Spezial Atomic Demolition Munitions, eine leichte Variante der ADM
6. FM 5-102, Seite 136
7. Field Manual 5-106: Employment of Atomic Demolition Munition. Headquarters, Department of the Army, Washington, DC, 14 March 1984, Seite 1-3
8. FM 5-102, Seite 146
9. Field Manual 100-30 (TEST): Tactical Nuclear Operations, Headquarters, Department of the Army, Washington DC, 1971, Seite 2.5
10. Field Manual 5-106
11. FM 5-26 – Employment of Atomic Demolition Munitions. Headquarters Department of the Army, Washington D.C., 1971, Kapitel 2, Seite 5
12. Field Manual 5-106, Seite 6-6
13. Trauschweizer, I. W. (2006). Creating Deterrence For Limited War: The U.S. Army And The Defense Of West Germany, 1953-1982, Dissertation
14. Documentation: Memorandum of Conversation, 13 November 1964, Secretary McNamara’s Meeting with FRG MOD von Hassel, 12-13 November, Doctrine and Strategy, pp. 3-5. Papers of Robert S. McNamara, Memcons with Germany Vol. 1 Sec. 1, Box 133, RG 200, NA. Seiten 3-6, 12
15. Von Loringhoven war ein Zeuge der letzten Tage im Führerbunker.
16. Pommerin, R. (1991). General Trettner und die Atom-Minen. Zur Geschichte nuklearer Waffen in Deutschland. Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 18
17. NATO  SECRET, 3 November  1964, NORTH ATLANTIC MILITARY COMMITTEE, NOTE FOR THE RECORD, Informal Meeting of the Military Committee in Chiefs of Staff , Session, Held at 11OO hours on Friday , 23 October 1964 at the Ministry of Defence, London, England, Seite 19
18. Trettner, H. (1977). Zur Problematik der Taktischen Nuklearwaffen in Europa. Militärpolitik 1/1977, S. 70
19. Hammerich, H: Süddeutschland als Eckpfeiler der Verteidigung Europas. MILITARY POWER REVUE der Schweizer Armee – Nr. 2 /2011, 34-45, Zitat Seite 38
20. Bald, D. (2008). Politik der Verantwortung. Das Beispiel Helmut Schmidt. Der Primat des Politischen über das Militärische 1965-1975. Mit einem Vorwort von Helmut Schmidt. Berlin: Aufbau Verlag / Kritisch zu diesem Buch: Kleinert, P.: Politik der Verantwortung. Neue Rheinische Zeitung
21. Davidson, D. C. N. (1974). Tactical Nuclear Defense – The West German View. Parameters, Vol. IV(No. 1), 47–57
22. Deutsche Politiker fürchteten in dieser Zeit, dass Westdeutschland von den Russen als Geisel genommen würde, wenn man ihre Truppen nicht rechtzeitig aufhalten könnte. Die Berechtigung dieser Befürchtung ist natürlich auch aus heutiger Sicht nicht von der Hand zu weisen.
23. Umfassendes Fotomaterial findet sich hier.
24. Siehe den Wikipedia-Artikel über die Nukleare Teilhabe.
25. Siehe meinen Artikel: Davy Crockett – ein guter Freund von Franz-Josef Strauß